Lob der Peripherie oder warum ich nicht in Zürich leben möchte

Eigentlich möchte ich in Lemberg geboren worden und aufgewachsen sein, in Galizien, Triest würde auch noch in Frage kommen, oder Otwock und wäre deshalb heute nicht hier, um diese Rede zu halten. Aber ich wurde im Spital Niederbipp geboren, aufgewachsen wurde ich in Roggwil, wo ich heute noch wohne und arbeite - oder wie in meinem Lebenslauf steht: lebt und arbeitet in Roggwil, Kanton Bern. (Ich suche übrigens eine neue Bleibe, bin dankbar für jeden Hinweis und Angebote nehme ich gerne entgegen, nur ausserhalb von Zürich müsste es schon sein, dieses Haus, diese Fabrik, diese Hallen im Grünen, im Wald, am Fluss). Im Ernst, wurde ich gefragt, warum, sags mir, warum lebst du denn hier, so kommst du nicht weiter, und zusammen auftreten solltet ihr sowieso nicht, besser nicht, nicht so, als Haus am Gern. Dann nickte ich jeweils und schwieg, denn sie haben ja recht, die dies sagen. Sie kommen in den meisten Fällen nicht aus Roggwil. Und nicht aus Lemberg, Triest, und Otwock. Nicht so wie ich. Heute feiern nicht in Zürich, aber in einer anderen Stadt, zwei Shooting-Stars aus Zürich eine Eröffnung, ich sage nicht wo und nicht wer, ich bin ja kein Kunstkritiker, und haben neben vielen Dachlatten und Goldfischen und Pflanzen eine automatische Schiebetüre aus Glas montiert, die funktioniert, wenn man davorsteht und durch den Durchgang durchwill. Deswegen möchte ich nicht nach Zürich. Ich möchte nach Lemberg, Triest, Otwock. Und das Gute ist, dass ich Roggwil zurücklassen kann und sagen kann in Lemberg, Triest oder Otwock, wenn man mich denn fragt, ich komme aus Roggwil und wohne im Haus am Gern.

im märz 1999 rs

Rede, die Rudolf Steiner anlässlich des Maisalons 1999 im Kunsthaus Aarau nicht hielt

Insider wissen: die neue Bleibe, dieses Haus, diese Fabrik im Grünen lag lange gern in Biel und nun nahe der Traumzone Lyssach