EAT AT JOE'S!

HD Video/Audio-Installation
synchrone 3-Kanal-Projektion 16 : 9
27 min 33 sec (Loop)

> Auswahl 09
Aargauer Kunsthaus Aarau 2009

Produktion, Regie, Buch
Barbara Meyer Cesta

Text
Englisch Barbara Meyer Cesta
Hebräisch Effi Weiss
Arabisch Amir Borenstein

Cast
Diana Calvo Salvanés
Racha Faris
Diaeldin Hamed
Ahmed Hussein
Mirette Mechail
Mohammad Roshdy
Saad Samir
Tarek Shalaby
Wafaa’ Wali

Aufnahmeleitung & Kamera Rudolf Steiner
2. Kamera Hadil Nazmy
3. Kamera Louly Seif

Schnitt Barbara Meyer Cesta, Rudolf Steiner, Effi & Amir
Effekte Barbara Meyer Cesta, Rudolf Steiner
Videotechnik Videocompany Zofingen

Musik
Konzept / Musikalische Leitung Mario Batkovic
Produktion / Technische Leitung Urs Gilgen
Akkordeon Mario Batkovic
Bassklarinette Hans Koch
Kontrabass Ivan Nestic

Mitarbeit
Produktionsorganisation Kairo Roby & Ruth, Hadil Nazmy, Diaeldin Hamed, Louly Seif
Beratung Übersetzungen Hayhat El Bokeili, Ziad Bitar, Sofia Iberg Hidalgo, Regula Tanner

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Präsentation
Drei U-förmig angeordnete Projektionen zeigen – meist synchron – je dasselbe Geschehen aus drei verschiedenen Kamerapositionen. Die Projektionen sollen nicht gleichzeitig einsehbar sein. Jeder Projektion ordnet die Vertonung eine Stimme zu, links Kontrabass, mitte Akkordeon, rechts Bassklarinette. Die Vertonung ist begleitend, aber nicht illustrativ.

Kamera links: folgt der Hauptfigur mit Banner und Slogan, zoomt ein und aus
Kamera mitte: statisch, Übersicht des Geschehens
Kamera rechts: folgt der Gruppe, welche die Hauptfigur verfolgt, zoomt ein und aus

Synopsis
Ein Mann rennt mit einem Banner durch eine leere Landschaft, der Himmel ist wolkenlos. Auf seinem Banner steht ein Slogan.  Er wird von einer Menschengruppe verfolgt, gefangen, geschlagen, umarmt und frei gelassen, um umgehend wieder eingefangen zu werden. Das Verhalten des Mobs ist nicht deutbar. Der Ablauf wiederholt sich in drei Kapiteln, nur die Slogans ändern sich jeweils. Im ersten Kapitel steht auf dem Banner ein arabischer, im zweiten Kapitel ein hebräischer, und im dritten Kapitel ein englischer Slogan. Die drei Slogans sind digital ins Bild montiert. Durch die deutlich erkennbare, unzulängliche Montagetechnik (Tracking) erhalten die Slogans ein slapstickartiges Eigenleben. Jeweils im Mittelteil blendet der Bildteil in eine weisse Fläche aus und der Slogan bewegt sich wie durch Geisterhand weiter, verwandelt sich nacheinander in die Übersetzung der anderen zwei Sprachen, und das Bild blendet wieder ein.

Im ersten Kapitel steht ein arabisches Wort auf dem Karton :
im zweiten Kapitel ein hebräisches :

und im dritten Kapitel verkündet er EAT AT JOE’S! auf seinem Banner.

Beim Schreiben des Drehbuches stand zuallererst fest, dass als Quintessenz eines arabischen und eines hebräischen Slogans der dritte Slogan EAT AT JOE’S! sein soll. EAT AT JOE’S! ist ein alter amerikanischer Werbeslogan für einen fiktiven «Jedermann‘s» Imbiss um die Ecke. Mit der Verbreitung des Slogans haben sich Imbissketten den Namen JOE‘S gegeben, um vom Wiedererkennungseffekt zu profitieren. Berühmt wurde der Slogan EAT AT JOE’S! auch durch seine Verwendung in Trickfilmen u.a. von Tex Avery, wo z.B. ein Bär ohne den gringesten Zusammenhang mit dem Erzählstrang – meist in Jagdszenen – das Schild mit dem Slogan gleich mehrmals hintereinander durchs Bild trägt.

Um der politischen und kulturellen Komplexität gerecht zu werden, bat ich zwei Kenner des Nahen Ostens um Hilfe. Ich liess das israelischen Künstlerpaar Effi & Amir den arabischen und den hebräischen Slogan bestimmen. Ihre Wahl ist sehr komplex und weise, das hebräische Wort hat mehrere Bedeutungen und kann ausser mit «leer…» auch mit «fruchtlos», «Leerlauf», «Fälschung» oder «Platzpatrone» übersetzt werden. Das arabische Wort bedeutet im Arabischen «für nichts», «gratis», und in Ägypten zusätzlich «mach nicht…!». Die vielfältigen Lesarten und Interpretationen in den durch die Sprachwahl angesprochenen Kulturkreisen sind beabsichtig.

EAT AT JOE’S! war ursprünglich als s/w-Produktion geplant und sollte 2005 nah am Vorbild «Ssaki» (1961), dem letzen Kurzfilm von Roman Polanski, im Tiefschnee gedreht werden, doch der Klimawandel zwang dazu, EAT AT JOE’S! in die Wüste zu verlegen. Nach Anpassung des Drehbuches konnten die Dreharbeiten im Hochsommer 2007 im Rahmen eines Atelierstipendiums von Pro Helvetia in Ägypten realisiert werden.

EAT AT JOE’S! wird – soweit es die politische Situation erlaubt – auch im arabischen Raum und in Israel präsentiert. Zur Zeit ist dies in Ägypten leider nicht möglich. Allein der Gebrauch eines hebräischen Wortes als Filminhalt kann unabsehbare Probleme mit der Staatsmacht zur Folge haben. (In Ägypten gilt seit 1981 der Ausnahmezustand.) Deshalb war das Zusammenstellen der Filmcrew in Ägypten sehr schwierig, aber alle an der Produktion Beteiligten waren bereit, persönliches Risiko auf sich zu nehmen. Ein raffinierter Kunstgriff ermöglichte es zusätzlich, die einheimische Crew und das Projekt weniger zu gefährden: Die Banner waren bei den Dreharbeiten leer, die Slogans wurden nachträglich digital montiert und mit einem surrealen Eigenleben verstärkt.

Presse:

Bieler Tagblatt vom 18.12.2009

der Bund vom 2.4.2010

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